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06-04-10

Heimatbund und Geschichtsverein verzeichnet Mitgliederzuwachs

Aktives Engagement für die Regionalgeschichte wird von vielen geteilt


Vorsitzender Günter Menze bedankte sich bei Dr. Andrea Brinckmann für den aufschlussreichen Vortrag über die transatlantische Massenauswanderung. Foto: Ursula Braun

Büchen (br) – Mit einer leicht gestiegenen Mitgliederzahl beginnt die Bezirksgruppe Büchen des Heimatbunds und Geschichtsvereins Herzogtum Lauenburg ihr neues Tätigkeitsjahr. Waren es im vergangenen Jahr noch 111 Mitglieder, widmen sich jetzt 114 der Aufarbeitung und Darstellung der Regionalgeschichte. Vorsitzender Günter Menze sieht darin die Bestätigung, dass die Ziele der Kulturorganisation so zugeschnitten sind, dass sie mit vielen Interessen zusammenpassen. Bereits seit 1951 besteht die Gruppe in Büchen.

Im »Vereinslokal«, der Priesterkate, finden die regelmäßig durchgeführten Veranstaltungen statt, die sich um die Erforschung und Pflege der lauenburgischen Geschichte und Landeskunde ranken. Auch die Jahreshauptversammlung wird stets dort abgehalten und war dieses Mal von gut der Hälfte der Mitglieder besucht. Sie hielten zusammen mit ihrem Vorsitzenden Rückschau auf das vergangene Jahr und wählten mit Harald Griebel einen neuen Kassenprüfer für die nächsten beiden Legislaturperioden.

Mit hervorragender Beteiligung fanden die Ausflüge in die Ernst-Barlach-Stadt Güstrow sowie die Mehrtagesfahrt an die Mosel statt, konnte Günter Menze berichten. Für das laufende Jahr steht Gifhorn auf dem Plan sowie eine Erkundigungsfahrt durch Sachsen-Anhalt. Nach Erledigung der Regularien stand ein wissenschaftlicher Vortrag von Dr. Andrea Brinckmann an. Die promovierte Historikerin ist im Kreis Herzogtum Lauenburg aufgewachsen und derzeit an der Bundeswehr-Universität in Hamburg tätig. Eines ihrer Schwerpunktgebiete ist die Erforschung der Auswanderung nach Übersee. Rund sieben Millionen Menschen haben im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ihr Glück auf der anderen Seite des Atlantiks gesucht. Wirtschaftliche Gründe waren für diese transatlantische Massenauswanderung hauptsächlich das Motiv.

Handwerker, Kleinbauern und Landarbeiter waren die Berufe, die größtenteils vertreten waren. Sie hatten in der Heimat die geringste Perspektive, da der Gewerbezwang den Handwerkern nicht erlaubte, ihr Tätigkeitsfeld frei auszusuchen, und den in der Agrarwirtschaft Tätigen durch die Bevölkerungsexplosion kaum noch genug Land für den Lebensunterhalt blieb.

Die Population verdreifachte sich in dieser Zeit, ohne dass die Erwerbsmöglichkeiten anstiegen. So wanderten annähernd zwanzigtausend Menschen pro Jahr aus Deutschland nach Übersee aus. Hamburg war für sie größtenteils das Tor zur Welt. Die Passagierlisten aus der Zeit von 1850 bis 1934 werden momentan digitalisiert, wusste Dr. Brinckmann zu berichten.

Daher ist es nun möglich, genau zu erforschen, aus welchen Teilen Deutschlands die Auswanderer kamen und welche Berufe sie hatten. Aus dem Herzogtum Lauenburg war es auch damals schon nicht schwer, in die Hansestadt zu kommen, denn seit 1846 war die Bahnverbindung in Betrieb.

Auswanderungswillige erhielten sogar einen Rabatt auf den Fahrpreis. So mussten sie nur unwesentlich mehr als die 30 bis 40 Reichstaler bezahlen, die eine Überfahrt nach Amerika auf einem Segelschiff kostete. Das war ein kompletter Jahreslohn eines Knechtes. Der Preis beinhaltete die Unterkunft und Verpflegung auf dem Schiff, das ungefähr sechs Wochen unterwegs war. Mit Einführung der Dampfschifffahrt verringerte sich diese Zeit auf gut eine Woche, und die Segelschiffpassagen wurden durch diese Konkurrenz billiger. – Mit Einführung der allgemeinen Wehrpflicht änderte sich noch einmal die Zusammensetzung der Passagiere. Nun waren es vor allen Dingen junge Männer, die sich dem dreijährigen Wehrdienst durch Auswanderung entziehen wollten. Sie konnten noch bis 1892 in großem Ausmaß ungehindert in die USA einreisen. 1892 war es damit dann weitestgehend vorbei. Für die Kontrolle der Einwanderer wurde Alice-Island eingerichtet, ein von der amerikanischen Regierung betriebenes Einwanderungszentrum, zu dem Ankömmlinge direkt von den Schiffen gebracht wurden und Gesundheitsprüfungen über sich ergehen lassen mussten mit der Gefahr, zurück geschickt zu werden.



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