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19-01-10

Einwohner wehren sich gegen einen Windpark in Schulendorf

Proteststurm in »Schwachwindregion«


Fristgerecht überreichen Folker Zöftig (li.) und Frank Schlichting (re.) das Bürgerbegehren, das 156 wahlberechtigte Schulendorfer binnen vier Tagen unterschrieben haben, an Bürgermeister Jürgen Borchers. Foto: Peter Heinrich

Schulendorf (peh) – Mit einem Bürgerbegehren wollen Schulendorfer einen Windpark in ihrer Gemeinde doch noch verhindern. »Mit 156 Unterschriften statt der erforderlichen 39 in nur vier Tagen, haben wir ein deutliches Zeichen gegen den Beschluss der Gemeindevertretung vom 3. Dezember gesetzt.
Der Fristablauf zwang uns zum Einstellen der Unterschriftensammlung unter den 382 Schulendorfer Wahlberechtigten«, sagte Folker Zöftig, als er am vergangenen Donnerstag das Bürgerbegehren gemeinsam mit Frank Schlichting an Schulendorfs Bürgermeister Jürgen Borchers gerade noch rechtzeitig übergab.

Somit hat die Gemeindevertretung am 4. Februar die Gelegenheit, ihren Beschluss, der die Ausweisung von Schulendorfer Windnutzungsflächen im neuen Landesentwicklungsplan unterstützt, wieder aufzuheben. Andererseits läuft alles auf einen Bürgerentscheid hinaus, zumal die dafür notwendige Unterschriftenanzahl bereits erreicht sei. »Wir hoffen auf ein Umdenken der Gemeindevertretung. Ich bin nicht prinzipiell gegen Windkraft, aber es steht doch die Frage im Raum, warum uns sogenannte C-Lagen im besiedelten Raum als bestmögliche Standplätze für 150 Meter hohe Kolosse verkauft werden.

Hier werden den Bürgern, deren Immobilien drastisch an Wert verlieren, windige Versprechen gemacht«, erläuterte wütend Folker Zöftig, der zu einer von 15 Familien gehört, die vor knapp vier Wochen eine Schulendorfer Initiative ins Leben gerufen und sich bereits mit anderen betroffenen Gemeinden ausgetauscht haben. Auch Frank Schlichting gesteht, dass er unter der Voraussetzung eines Windparks nie und nimmer in Schulendorf gebaut hätte.

»Auf der Terrasse im Süden würden wir immer auf eine verschandelte Landschaft blicken und hätten das volle Programm von Schattenwurf bis Lärmbelästigung. Dann zahle ich lieber mehr Steuern«, gestand der Schulendorfer ärgerlich.

Bürgermeister Jürgen Borchers, der für einen Windpark in Schulendorf eintritt, zeigte sich durchaus gesprächsbereit. »Die Ängste, die sich in diesem Bürgerbegehren widerspiegeln, kann ich teilweise gut verstehen. Aber dieser Windpark ist für unsere Gemeinde aus finanzieller Sicht auch eine sehr große Chance, sich weiterzuentwickeln«, sagte Jürgen Borchers, der andererseits prophezeit, dass die Gemeinde in den nächsten Jahren auf ihre 125.000 Euro schwere Rücklage zugreifen und Steuern erhöhen müsse.

Darüber hinaus bestätigte der Bürgermeister, dass Schulendorf eigentlich in einer Schwachwindregion liege und ein Banker ihm erklärt habe, dass ein Windpark die Immobilienpreise durchaus beeinträchtigt. »Trotzdem wünsche ich mir als Bürgermeister eine sachliche und faire Diskussion«, sagte Jürgen Borchers abschließend und reichte Folker Zöftig und Frank Schlichting beinahe symbolisch die Hand. Doch das könnte allerdings ein frommer Wunsch des Bürgermeisters bleiben, weil der Bau eines Windparks die Einwohner seiner Gemeinde vermutlich endgültig spalten würde.



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