26-04-10
Büchen dreht ein ganz großes Rad
Büchen (vd) – Büchen war Austragungsort der Landesmeisterschaften 2010 im Rhönrad sowohl in der Landes- als auch in der Bundesklasse.
Wer kennt schon das Rhönrad? Manche Ältere erinnern sich vielleicht daran. Aber dass das Rhönrad auch heute noch als Sportinstrument genutzt wird und in dieser Disziplin sogar nationale und internationale Wettkämpfe ausgetragen werden, ist der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt. Dabei ist es ein eleganter Sport, der Körperbeherrschung, Orientierungsfähigkeit, Muskelkraft und eine gehörige Portion Mut verlangt. Und der Sportler kann sein Rhönrad auch noch im mittleren Lebensalter fordern, beziehungsweise das Sportgerät ihn. So reichten die in der Landesklasse vertretenen Jahrgänge von 1956 bis 1999.
Sarah Widdrat aus Gülzow, neben Büchen der einzige Ort im Kreis, wo das Rhönrad vereinsmäßig Verwendung findet, definiert die Vorteile des Sportes für sie so: »Als Studentin kann ich diesen Leistungssport gut mit meinem Studium vereinbaren und sogar an Wettbewerben teilnehmen. Vorher war ich Turnerin und konnte die Zeit für das intensive Training neben dem Studium nicht aufbringen. Das Rhönrad ist für jeden etwas, für Jung und Alt.« Ida Markowitsch aus Gülzow betont neben der Notwendigkeit einer guten Körperbeherrschung: »Man braucht Spannung und Feingefühl. Man muss das Rad mitnehmen und die Muskelkraft gezielt einsetzen, damit das Rad unter Kontrolle bleibt. Ausdauer ist weniger gefragt, da sowohl Pflicht als auch Kür höchstens drei Minuten in Anspruch nehmen.«
Das Rhönrad ist eine deutsche Erfindung aus der Rhön, die aus der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts datiert. Es besteht aus zwei gleich großen Stahlreifen, die durch einige wenige Sprossen miteinander verbunden sind. Es erreicht einen beachtlichen Durchmesser je nach Körpergröße des Athleten. Eine 1,63 Meter große Person nutzt ein Rad mit einem Durchmesser von etwas mehr als zwei Metern.
Das Rad verfügt über zwei Tritte für die Füße und vier Griffe für die Hände. Der Sportler turnt mit dem Rad und innerhalb des Rades. In der Landesklasse wird in Pflicht und Kür »gerade geturnt«, das heißt, das Rad wird in der Senkrechten vorwärts und rückwärts bewegt, während in der Bundesklasse zusätzlich Spiralen und Sprünge mit dem Rad sowie Musikküren geturnt werden. »Bei diesen Disziplinen wird die Vielfältigkeit des Rhönradturnens besonders deutlich«, begeistert sich Annika Zimmer, die Spartenleiterin des Eisenbahnersportvereins (ESV) Büchen.
An den Meisterschaften der Landesklasse nahmen 81 Sportler aus ganz Schleswig-Holstein teil, unter anderem aus Flensburg, Moorrege, Bad Schwartau und Bergedorf. Die Sportler der Region erreichten gute bis sehr gute Platzierungen. Die Büchener Sportler Johanna Lüneburg und Nicolai Ruschmeyer siegten in ihrer Altersklasse (Jahrgänge 1999 bis 2001), Lena Carstens aus Büchen belegte den vierten Platz; Franziska Ohle aus Gülzow siegte in der Klasse der Jahrgänge 1992–95; Christina Bremer aus Büchen platzierte sich hier an Nummer 5; und in der Jahrgangsklasse 1991 und älter eroberte Sarah Sophie Widdrat aus Gülzow den dritten Platz.
Das zahlreiche Publikum, das die Wettkämpfe von der Tribüne in der großen Büchener Sporthalle aus verfolgte, war begeistert.