04-08-09
Karate-Philosophie im Kuhstall
Von Gabriele Kasdorff
Escheburg – Strahlend berichtet die frisch gebackene Trägerin des schwarzen Gürtels, Sabine Weber: »Ich habe meine erste Danprüfung in diesem Monat bestanden und möchte jetzt erst einmal tiefer ins Karate einsteigen«. Ihr Mann und Trainer der Karategruppe des Escheburger Sportvereins (ESV), Karl Langer: »Ich bin stolz auf meine Frau, sie hat die Prüfung exzellent gemeistert.«
Der 1. Dan ist einer von zehn möglichen Meistergraden, darunter gibt es farbige Gürtel, beginnend mit weiß, gelb bis braun, danach folgen die schwarzen Meistergrade. Der Trainer erläutert: »Der ESV betreibt Karate als Breitensport und nicht als Kampfsport. Wir trainieren in einer Gruppe von 10 bis 15 Personen zweimal wöchentlich. »Begonnen wird mit Aufwärmtraining, Technik und Katatraining.« Karl Langer erklärt: »Katatraining ist ein imaginärer Kampf gegen mehrere Gegner und erfordert äußerste Konzentration.«
Karate war ursprünglich eine spezielle Kampfkunst der japanischen Mönche zur Selbstverteidigung, zugleich auch ein Weg zur Selbsterfahrung und Selbstfindung. Sabine Weber betreibt Karate als Ausgleich für Ihren Beruf als selbstständige Architektin, die sich mit der Sanierung von Kirchen beschäftigt. »Ich lerne mit mir selber umzugehen, Karate erfordert Selbstdisziplin und stärkt den Charakter«, lächelt Sabine Weber, seit 17 Jahren Karateka. Die Karategruppe des ESV nennt sich Ushigoya-Dojo und sie erklärt: »Ushigoyo ist der Kuhstall, Dojo der Weg. Das hat seinen Ursprung darin, dass wir früher in einem Kuhstall trainiert haben, bevor diese wunderbare Halle gebaut wurde«. Karl Langer, selber seit 42 Jahren beim Karate, hat als Wettkampftrainer bereits die ganze Welt bereist. Er macht deutlich: »Karate-Do ist der Weg der leeren Hand, wir haben keine Waffen und unser Weg ist ein langer, ohne sichtbares Ende.«
Beim ESV wird sowohl die körperliche Fitness als auch der philosophische Ansatz des Karate berücksichtigt, den Sabine Weber beschreibt: »Besiege Dich selbst, bevor Du andere besiegst.« Während die Karateka Liegestütze und anschließend technische Übungen absolvieren, wird deutlich, dass alle mit viel Freude und äußerster Konzentration bei der Sache sind. »Wir würden uns freuen, wenn sich Interessierte an uns wenden, dies ist ein Sport für jedermann gleich welchen Alters«, sagt Karl Langer. Seine Frau ergänzt: »Unsere Kindergruppe wird von Anke Tandetzki-Runge geleitet. Sie ist auch als Abteilungsleiterin des Karate beim ESV die Ansprechpartnerin.«
Das Training geht weiter und es wird deutlich, dass auch hier die Achtung des Gegners an oberster Stelle steht. Nicht Sieg oder Niederlage sind das eigentliche Ziel, sondern die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung und äußerste Konzentration.