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27-04-10

Die Kette steht

 


Zwei Atomkraftgegner aus Niedersachsen reichen sich in der Schillerstraße in Geesthacht die Hände: Die Kette steht, auch ohne Verlängerungsbänder.Foto: Olaf Kührmann

Geesthacht (ok) - Das hört einfach nicht auf. Menschen reihen sich an Menschen, sie fassen sich an den Händen. Selbst Petrus hat sich mit strahlend blauem Himmel eingereiht. 120.000 Menschen bilden eine lebende Kette zwischen den Kernkraftwerken Krümmel in Geesthacht und Brunsbüttel. Ihr Ziel formulieren die friedlich demonstrierenden »kleinen Leute« dieser Republik immer wieder: »Abschalten, jetzt«.


In Geesthacht eigentlich der falsche Zeitpunkt. Denn der größte und gefährlichste Siedewasserreaktor der Welt ist seit zwei Jahren abgeschaltet. Weil er so marode ist

.
Von 14.30 bis 15 Uhr reichten sich am Sonnabend 120.000 Menschen die Hände. Die vorsorglich verteilten Bänder, mit denen immer zwei, drei Meter überbrückt werden sollten, brauchten sie nicht. Denn statt der erwarteten 50.000 sind 120.000 Menschen gekommen. Hervorragend organisiert, von 400 Polizisten allein in Schleswig-Holstein entspannt begleitet.


Um kurz vor drei die Meldung: Die Kette steht. Petra Bolte, Ali Demirhan und Jens Kalke von den Grünen in Geesthacht brechen in Jubel aus. Sie gehören zu den ersten, die diese Meldung erreicht. »In Hamburg steht die Kette sogar vierreihig«, jubelt Ali Demirhan. Ziel mehr als erreicht.
Um Punkt 15 Uhr löst sich die Kette auf, der Verkehr kann fließen. Eine logistische Meisterleistung ist gelungen.


Die Organisatoren der 120 Kilometer langen Menschenkette von Brunsbüttel bis Krümmel zogen am Sonntag eine erste positive Bilanz der Proteste: Am Sonnabend hätten sich 120.000 Menschen in Schleswig-Holstein und Hamburg an der größten Anti-Atomdemonstration beteiligt, die es je in der deutschen Geschichte gegeben hat. Gleichzeitig umzingelten 20.000 Atomkraftgegner das hessische AKW Biblis und weitere 7.000 Menschen demonstrierten am Atommüll-Zwischenlager im nordrhein-westfälischen Ahaus. Thorben Becker, Sprecher des Trägerkreises: »147.000 Menschen sind gegen Atomenergie auf die Straße gegangen. Das sind die größten Proteste, die es in der langen Geschichte der Anti-AKW-Bewegung in der Bundesrepublik je gegeben hat. Uns ist es gelungen, die atomkritische Stimmung in der Bevölkerung eindrucksvoll auf die Straße zu bringen.«


Jochen Stay, ebenfalls Sprecher des Trägerkreises: »Die Bundesregierung muss aus dem gestrigen Tag Konsequenzen ziehen. Der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ist politisch nicht durchsetzbar. Sollte die schwarz-gelbe Koalition an ihrem Atomkurs festhalten, werden die Proteste sich weiter steigern. Da ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht
erreicht. Denn wir sind nach diesem Tag gestärkt und hochmotiviert.«



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