13-10-09
»Besuch der alten Dame« in Lauenburg
Lauenburg (gak) – Gelächter bereits vor Beginn der Premiere der tragischen Komödie »Besuch der alten Dame« von Dürrenmatt, als Andreas Püst bei der Begrüßung erklärte, warum sie gerade dieses Stück ausgewählt haben. »Wir fanden Dürrenmatts Geschichte und Güllen passt sehr gut zu Lauenburg« lachte er. Dachte nicht ein Großteil der amüsierten Zuschauer in genau diesem Moment daran, dass eine alte Dame in Lauenburg uns den Schrägaufzug bescheren könnte? In dem verarmten Güllen, das von Arbeits- und Perspektivlosigkeit geprägt ist, spielt das »Theater aus der Tabakfabrik« Dürrenmatts Stück mit gekürzten Originaltexten. Der Besuch der Multimillionärin Claire Zachanassian soll die finanzielle Not der Stadt und der Bürger beheben, zumal zarte Bande aus ihrer Jugend sie mit dem Krämer Alfred Ill verbinden.
Herrlich die Überzeichnungen der Personen, sofort erkennbar das alte Fräulein Lehrerin (Karin Wulf) ebenso wie Ills Frau (Edda Jordan), die in naiv-dümmlicher Manier ihrer Freude durch kleine Luftsprünge Ausdruck verleiht. Natürlich beherrscht Claire Zachanassian (Otti Wiedenroth-Rösler) die Bühne.
Mit ihrem stoischen Gesichtsausdruck, der auch nicht die geringste Regung, denn gelegentlich Verachtung, erkennen lässt, spielt sie souverän. Gerissen versucht Alfred Ill (Amit Klein) seinen Vorteil bei Claire zu finden, steht doch auch der Bürgermeisterposten in Aussicht, wenn er die reiche Dame zur Zusage einer Geldspritze veranlasst. Spitzfindig umgarnt er sie und rechnet scheinbar keine Sekunde damit, dass sein längst vergessen geglaubter Betrug an Claire aufgespürt wird. Aber genau dies geschieht und Claire Zachanassian stellt ungerührt ihre Bedingungen für den erhofften Geldsegen: Alfred Ill muss getötet werden. Nun nimmt die Geschichte ihren Lauf und all die Abgründe verlogener Kleinbürgerlichkeit, Scheinheiligkeit und Geldgier werden von dem 13-köpfigen Ensemble wunderbar dargestellt.
Jeder der Schauspieler hat seiner Rolle einen individuellen Stil gegeben. Ein sehenswertes, unterhaltsames und facettenreiches Stück, das leider bei der Premiere nicht ausverkauft war. Edina Hasselbrink und Andreas Püst haben den Besuch der alten Dame ideal inszeniert. Die technischen Untermalungen passen punktgenau und versetzen den Zuschauer direkt in den Ort Güllen.
Wer bei der Premiere nicht dabei sein konnte, sollte sich unbedingt eine der Vorstellungen am 24. und 31. Oktober jeweils um 20 Uhr oder am 25. Oktober und 1. November jeweils um 16 Uhr ansehen. Karten sind unter Telefon 04131–24 71 57 oder bei der Buchhandlung Rusch beziehungsweise Oberelbe Touristik erhältlich.