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09-11-09

Grenzstadt Lauenburg

 


Mitte der Sechziger standen an der 1952 als Provisorium errichteten Grenzkontrollstelle Lauenburg Baracken aus Lübeck-Eichholz für die Grenzabfertigung des Innerdeutschen und internationalen Verkehrs zur Verfügung. Der Schlagbaum wurde später durch Ampeln ersetzt. Foto LR

Lauenburg (ud) - Am 15. Mai 1952 wurde entschieden, den Interzonengrenzübergang Herrenburg in Lübeck, der vom Durchgangsverkehr kaum genutzt wurde, zu schließen und dafür in Lauenburg eine Direktverbindung über die Reichstraße 5 von und nach Berlin zu schaffen. Der damalige Bürgermeister Lauenburgs, Richard Reuter, sprach gegenüber der Presse von freudiger Erwartung in den Augen der Deutschen auf der anderen Seite. Er drückte seine Hoffnung aus, dass die schwarz-rot-goldene Fahne bald nicht mehr an einem Zonengrenzübergang, sondern über einem geeinten Deutschland wehen werde. Aber erst 39 Jahre später ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen.

1952 war es für den Lauenburger Bürgermeister erst einmal wichtig, die rund 60 Beamten von Zoll und Bundesgrenzschutz unterzubringen. Alles sollte provisorisch sein, weil keiner an eine lange Teilung Deutschlands glaubte. Die Beamten, die an der Grenze Dienst verrichteten, fanden zum Teil eine Unterkunft auf dem Passagierdampfer Concordia. Lauenburg wurde immer mehr zur Grenzstadt in der für die Zöllner und Grenzschutzbeamten Wohnraum geschaffen werden musste. Das Baugewerbe hatte Hochkonjunktur. Wohnungen und Reihenhäuser entstanden im Glüsinger Weg, am Hasenberg oder in der Mühlenstraße.

Die Zöllner Paul Grimm und Degenhard Christen sowie Gerhard Stefan vom Grenzschutzeinzeldienst erinnern sich noch gut an die Jahre ihres Dienstes an der innerdeutschen Grenze. Es sei kräftig geschmuggelt worden, erzähle Paul Grimm. In den Intershop-Läden auf dem Gebiet der »Sowjetisch besetzten Zone« (SBZ) konnte zollfrei eingekauft werden. Viele Reisende nutzten diese Möglichkeiten und zeigten wenig Verständnis, wenn sie auf ihrer Fahrt »innerhalb Deutschlands« plötzlich Zoll bezahlen sollten.

Gerhard Stefan erinnert sich noch einen Vorfall, als ein LKW der Nationalen Volksarmee (NVA), dessen Insassen in den Westen geflüchtet waren, auf westdeutschem Gebiet steckengeblieben war. Die Leitung der Bergung übernahm das Ministerium in Bonn. Das Fahrzeug wurde bis an die Grenze geschleppt und dann mit einer Schleppstange über die weiße Linie in das Gebiet der »SBZ« geschoben. Erst dann durften NVA-Soldaten in den LKW steigen und ihn zurückfahren. Bei der Übergabe wurde weder ein Wort gewechselt noch Grüße erwidert, so Stefan.

Degenhard Christen erinnerte an die Menschen, die an der unseligen Grenze den Tod fanden, wie zwei westdeutsche Bürger. Sie waren den Schikanen der NVA bei den Kontrollen in Horst nicht gewachsen und erlitten tödliche Herzinfarkte. Aufgrund des immer stärker werdenden Verkehrs in Lauenburg, der mit den provisorischen Abfertigungsanlagen nicht mehr zu bewältigen war, sollte ein Neubau entstehen, berichtete Christen. Die DDR signalisierte damals die Einwilligung für den Autobahnbahnbau bei Gudow. Nach dem tödlichen Unfall eines LKW-Fahrers, der bei der Abfertigung an der Grenzkontrollstelle zwischen zwei Fahrzeuge geriet, wurde trotz Autobahnplänen dann doch in Lauenburg für 8,5 Millionen Deutsche Markt neu gebaut und 1978 in Betrieb genommen. Bereits vier Jahre später war durch die Fertigstellung der Grenzabfertigungsanlagen in Gudow die Grenzkontrollstelle in Lauenburg überflüssig. Es gab keine Zöllner mehr in der Elbstadt. Die Beamten wurden nach Gudow oder an Hamburger Zollämter versetzt.

Elf Jahre später dann war es glücklicherweise vorbei mit der unnatürlichen Grenze.



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