27-10-09
Abfahrt – aber Künstlerhaus- stipendiaten wären gern länger geblieben
Lauenburg (gak) – Das war eine beeindruckende Abfahrt, so der Name der Finissage und Gemeinschaftsausstellung der 23. Generation Künstlerhausstipendiaten, bei der niemand wirklich gehen wollte. So formulierte Thomas Behling bei seinen Dankesworten: »Wir hätten uns gewünscht, dass das Stipendium wieder ein Jahr wäre.« Rund 50 Gäste feierten gemeinsam mit den Stipendiaten deren Abschied. An den Wänden hingen die Werke der Künstler Thomas Behling, Nicole Schuck und Nándor Angstenberger, außerdem standen zwei Installationen von Nándor Angstenberger im Raum.
Bürgervorsteher Andreas Lojek verabschiedete die Künstler im Namen der Stadt und des Bürgermeisters und stellte fest: »Sie haben sich mit unserer Stadt identifiziert und auseinandergesetzt.« Andrea Kühnast aus der Staatskanzlei Kiel erbrachte als Vertreterin der Landesregierung die Grüße des Ministerpräsidenten und dankte den Künstlern als auch dem Künstlerhaus für ihre Arbeit. Als Jurymitglied für Literatur freute sie sich: »Dr. Massum Faryar hat für und in Lauenburg ein Märchen geschrieben, dass er uns im Anschluss vorlesen wird.« Die wohl eindrucksvollsten und der Kunst zutiefst verbundenen Worte fand Annette Grass in ihrer Rede.
»Auf der Einladungskarte steht das Worte: ABFAHRT in Großbuchstaben und auf strahlend weißem Grund, das erinnert mich an die Königsdisziplin der Skifahrer, den Abfahrtslauf. Eine solche Abfahrt ist mit Risiken verbunden, anders als eine sichere Abfahrt mit dem Bus.« Sie beschwor die Freiheit der Kunst und hoffte, dass die Künstler stets den risikoreichen und niemals den sicheren Weg wählen würden. Weiter sagte sie: »Kreativität wird von Unternehmen in unserem Land oft ablehnend gesehen, dabei könnten Künstler als Ideengeber für Unternehmen fungieren, so wie es in anderen Ländern der Fall ist.« Mit dem Zitat eines Künstlers aus dem vorigen Jahrhundert: »Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann«, sprach sie den Anwesenden aus dem Herzen. »Kunstpotenzial wird genauso gebraucht, wie das jedes anderen Arbeiters«, schloss sie ihre in Teilen fast philosophische Ansprache. Als Werkgeschenk übergab Nicole Schuck eine Zeichnung, die ein Elbewesen darstellte. Thomas Behling, mit seinem stets hintersinnigen Werken, übergab ein Bild mit dem Titel »Fütter mich«, einen Kopf in Umrissen, das Gehirn eingezeichnet und mit leicht geöffnetem Mund, in dem unendlich viele kleine glitzernde Teilchen verschwanden. »Die Interpretation überlasse ich Ihnen«, lachte er spitzbübisch. Nándor Angstenberger schenkte dem Künstlerhaus ein Bild, auf dem scheinbar fotografierte Hände ein Gebilde hielten. »Es geschieht etwas damit, wenn man es hält«, erläuterte er und brachte eine Verbindung zu Chanel, die Andreas Lojek, und sicherlich einige andere Besucher, nicht erkennen konnte. Dr. Massum Faryar las zum Abschluss ein zauberhaftes gleichnisartiges Märchen dem lauschenden Publikum vor. Ein König, der kein Künstler für sein Volk sein wollte, weil er regieren und nicht als Narr angesehen werden wollte. Stürmischer Applaus belohnte den Literaten, anschließend wurde mit den Gästen gefeiert.