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03-04-12

Illusionsloser Optimismus: Deutschland erfindet sich neu

 


Prof. Dr. Horst W. Opaschowski fesselt die Zuhörer mit seinen Zukunftvisionen.Foto: Gabriele Kasdorff

Geesthacht (gak) – Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, Zukunftswissenschaftler und Berater für Wirtschaft und Politik, hielt auf Einladung der Wirtschaftlichen Vereinigung Geesthacht vor etwa 150 Gästen im GITZ einen Vortrag unter dem Motto: »Blick in die Zukunft: wie wir morgen arbeiten und leben.« Etwa 90 Minuten fesselte er mit seinen Thesen und Forschungsergebnissen das Fachpublikum. Bei seinen Betrachtungen maß der 71-jährige der Familie und Wahlverwandtschaften eine hohe Bedeutung zu und sagte schmunzelnd: »Alt ist man erst mit 72.« Das Alter bekam in seinen Visionen ohnehin eine andere Dimension. Zehn Zukunftstrends benannte er: die weitere Globalisierung sowie die Strategie der besten Köpfe, bei der er betonte: »Das demografische Defizit kann durch Zuwanderung abgemildert, jedoch nicht ausgeglichen werden.« Eine Leistungsexplosion der jungen Menschen sei erforderlich, wobei für die jungen Menschen bereits heute Leistung und Lebensgenuss kein Gegensatz mehr sei. Die viel beschworene Leistungsverweigerung findet nicht statt. Er betonte: »Jeder muss in seinem Leben eine unternehmerische Grundhaltung entwickeln.« Außerdem nannte er die »Neue Lust auf Familie« und die zunehmend weiblich werdende Arbeitswelt als Trends. Ein Re-Start mit 50, bei dem Persönlichkeitsmerkmale ebenso wichtig sind wie fachliche Qualifikationen und eine Come-back mit 60, das seien Merkmale für ein Ende des Jugendwahns. Er prognostizierte eine Rente mit 70 im Jahre 2050 und die anzustrebende flexible Altersgrenze im Jahre 2060.
Neue Wohnkonzepte, Wahlverwandtschaften und soziale Konvois benannte er als Alternativen für Altenheime ebenso wie eine stärkere Gesundheitsorientierung.
»Gut leben statt viel haben. So wird der Wohlstand zu einer Frage des persönlichen Wohlergehens. Sinnhunger ist etwas anderes als Geldhunger«, führte er aus und erteilte somit dem Streben nach immer mehr materiellem Reichtum eine Absage: »Viele werden ärmer, aber nicht unglücklicher.« Ein starkes soziales Netz sei für eine Gesellschaft lebenswichtig, und er hob hervor: »Generationenbeziehungen werden künftig wichtiger als Partnerbeziehungen. Deutschland erfindet sich neu und schafft sich nicht ab! Das ist illusionsloser Optimismus.«
Jeder sollte sich die Zukunftsfrage stellen: »Wie will ich leben?«
Zehn Ratschläge gab er: 1. abschalten nicht vergessen, 2. nicht ständig den Lebensstandard verbessern, 3. verlässliche soziale Netze schaffen, 4. die Familie zur Konstante des Lebens machen, 5. definiere Lebenssinn neu, 6. genieße nach Maß, 7. mache nicht alle Träume wahr, 8. Du allein kannst es, aber Du kannst es nicht allein, 9. nicht auf Kosten anderer und 10. verdiene Dir Deine Lebensqualität durch Arbeit und gute Werke.
Eine Anleitung zum Glücklichsein im 21. Jahrhundert. Nachdenklich stellten einige im Anschluss an den Vortrag Fragen, in denen sie im Wesentlichen die Inhalte des Gehörten widerspiegelten. »Es gibt viel zu Überdenken, wir danken ihnen für Ihre hoch interessanten Ausführungen«, betonte der erste Vorsitzende der Wirtschaftlichen Vereinigung Geesthacht, Torsten Wilms.



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