13-07-10
"Tschüs - und immer 'ne Handbreit Wasser untrem Kiel"
Lauenburg (ud) – Eine Abschiedsfeier, so ganz in seinem Sinne, schenkte das Kollegium der Albinus-Gemeinschaftsschule Peter Bohle. Feierlich, herzlich und familiär, ohne großes Brimborium, genauso wie Peter Bohle es als Rektor der Hasenberg Grund- und Hauptschule immer bei den Verabschiedungen »seiner« Hauptschüler gehalten hat.
Der Einsatz für die Hauptschüler prägte 38 Jahre lang das berufliche Leben des Pädagogen, der seine »Schulzeit« 1972 mit einer Anstellung in Lütau startete. 1981 wurde er nach Lauenburg zur Hasenberg-Hauptschule versetzt, an der als Rektor bis 2006 arbeitete. Bohle erinnerte sich an heftige Elternproteste, als 1996 Grundschulkinder am Hasenberg eingeschult werden sollten. Er setzte Vertrauen in seine Hauptschüler und behielt Recht. Die Kleinen wurden nicht von den Hauptschülern drangsaliert, sondern wurden problemlos aufgenommen. Vorurteile zwischen Haupt- und Realschüler dagegen konnten nicht so einfach gelöst werden, resümierte Heinz Hoffmann, der Rektor der Albinus-Gemeinschaftsschule in seiner Abschiedsrede. Es habe viel Trennendes und nichts Verbindendes gegeben. In der Realschule wurden Klassen bereinigt und diejenigen, die nicht mithalten konnten, an die Hauptschule gegeben, beschrieb er die Situation. Bereits damals war es der Wunsch von Peter Bohle, beide Schulen zusammenzuführen. 2006 erfüllte sich dann dieser Wunsch. Für Peter Bohle allerdings bedeutete diese Wunscherfüllung ein folgenschweres Gespräch mit der damaligen Schulrätin Birgit Groß. Statt zum 40. Dienstjubiläum zu gratulieren, wurde ihm in wenigen Minuten der Boden unter den Füßen weggezogen. Das Kieler Bildungsministerium bestimmte rigoros, ihm die Rektorenstelle wegzunehmen. Er durfte sich ab sofort nicht mehr Rektor nennen, sondern wurde als Koordinator eingesetzt. Als würde- und respekt-
lose Behandlung bezeichnete Hoffmann diese Vorgehensweise von Ministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD), die dann, nach den Wahlen 2009, am eigenen Leib erfuhr, was es bedeutet, so behandelt zu werden.
Peter Bohle hat sich nicht, wie andere Kollegen mit gleichem Schicksal, versetzen lassen oder ist in den vorzeitigen Ruhestand gegangen. Er hat trotz der Behandlung durch die Kieler Politik nie aufgegeben, sondern mitgeholfen, für die Schüler das Beste zu ermöglichen.
Gemeinsam habe man den Versuch gestartet, einen menschlichen Weg zu finden. Es sei nicht immer leicht gewesen, viele Diskussionen und Kompromisse mussten geschlossen werden, aber entscheidend ist, dass die Zusammenführung erfolgreich war. Das sei an keiner anderen Schule im Kreis so gut gelungen, freute sich Hoffmann.
Nach den Reden gab’s Geschenke für den Fast-Pensionär, der nach seinen Worten ja erst einmal in die verdienten Ferien gehen und sich erst ab dem 1. August pensioniert fühlen möchte. Dann allerdings will er sich, gemeinsam mit seiner Frau Renate, seinem größten Hobby widmen. Mit dem neu angeschafftem Segelboot soll ein lang gehegter Traum nach Freiheit und Unabhängigkeit auf dem Wasser Wirklichkeit werden. Zwei Flaggen für die Tour bis ins Schwarze Meer gab es schon von Heinz Hoffmann. Eine, die »Blauer Peter« genannt wird, zeigt an, dass mit dem Verlassen des Schiffes in den nächsten 24 Stunden zu rechnen ist, und die gelbe Flagge signalisiert: Alles gesund an Bord.
Das Kollegium der Hauptschule brachte ein Ständchen mit einem selbstvertonten und getexteten Lied: »Das Schiff Deines Lebens geht nun auf große Fahrt«, und Gaby Hild setzte die Tradition Bohles für Verabschiedungen fort. Statt des Sektpiccolos oder der Flasche Bier für je ein Jahr Schulzeit in Lauenburg, gab es Whisky für die Jahre, in denen etwas Besonderes passiert ist.
Peter Bohle wünscht sich für die Schule, dass der gemeinsam gefundene Weg des Miteinanders weitergegangen wird. »Die Schule braucht eine klare Kante.«
Einhelliger Wunsch aller Gäste der Abschiedsfeier für Peter Bohle: »Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel«.