20-11-09
Schweinegrippe:Unbeschwerte Busfahrt oder Infektionsgefahr?
Von Gabriele Kasdorff
Lauenburg/Geesthacht – Die Frage nach der Impfung gegen die Schweinegrippe oder H1N1-Erkrankung stellt sich zumindest in Lauenburg nicht mehr. Ein Herzinfarktpatient und chronisch Kranker, der somit zu der besonders gefährdeten Gruppe und vorrangig zu impfenden Patienten gehört, wurde trotz eines Impftermins in der Arztpraxis unverrichteter Dinge nach Hause geschickt. »Wir haben keinen Impfstoff und wissen auch nicht, wann wir wieder welchen bekommen«, war die lakonische Antwort in der Praxis. Die Logistikapotheke in Lauenburg erhält keinen Impfstoff und kann nicht bestellen, weil es keinen Impfstoff gibt
Die Ärztezeitung online veröffentlicht die »neuesten Zahlen« der an Schweinegrippe erkrankten und verstorbenen Personen. In Deutschland sind demnach bis zum 18. November 53.957 Menschen an Schweinegrippe erkrankt, 22 gestorben, Zahlen, die längst überholt sind (Dazu muss gesagt werden, dass man in Deutschland trotz vollmundiger Ankündigungen der Regierung und des Robert-Koch-Instituts nicht einmal mehr die Statistik im Griff hat. Schlimmer noch: Die Regierung ist nicht in der Lage und scheinbar auch nicht willens, die Bevölkerung zu schützen, - Olaf Kührmann). Da Säuglinge definitiv das höchste Risiko einer Erkrankung tragen, könnte ich ganz entspannt meine Busfahrt antreten. Aber ein wenig skeptisch bin ich schon, als ich in den Schnellbus der Linie 31 nach Geesthacht steige.
»Bus of the year 2007«, steht auf einer Folie am Bus, da gab es die H1N1-Erkrankung noch nicht, aber beruhigt mich das jetzt? Mit mir steigen ein Dutzend Menschen ein. Einige suchen ihre letzten Centstücke zusammen, um die Fahrkarte zu lösen. Leicht verärgert reagiert der Busfahrer: »Ich muss das nicht annehmen, aber ich bin mal nicht so.« Dann sitzen alle in den kunterbunten Sitzen, auf denen so leicht kein Schmutzfleck zu sehen ist. Ich schau auf die herunterhängenden Griffe sowie die knallroten Stangen zum Festhalten, frage mich: »Ob die wohl täglich gereinigt werden?« Vermutlich nicht. Aber dessen ungeachtet packt eine junge Frau eine Wasserflasche und Kuchen aus. Vor dem Essen ist das gründliche Reinigen der Hände im Bus natürlich nicht möglich, aber das bekümmert die Frau auch nicht im Geringsten. Hungrig und mit sichtbarem, aber gottlob nicht hörbarem, Genuss verzehrt sie den Kuchen. »Warum isst sie mittags im Bus?« frage ich mich und denke schmunzelnd: »Hausfrauen essen nicht im Bus, vielleicht ist sie Lehrerin.«
Fünf Reihen von mir entfernt sitzt ein junger Mann und hört Musik, die Bässe aus dem Kopfhörer reichen bis zu mir. Gelegentlich geht seine Hand an die Lippen und er steckt sich Süßigkeiten in den Mund.
Im hinteren Teil des Busses hustet eine Dame, ungeschützt fliegen die Viren und Bazillen durch den Raum. An der Wand hängt ein roter Hammer. »Für Notfälle«, steht daneben. Ist das ein Notfall? Eine hustende Frau? Ich muss über mich selber lachen. Welche Gedanken sind das nur, bin ich ansonsten doch eher unbekümmert im Umgang mit Krankheiten. Und dann schaue ich auf die Hände des Busfahrers. Er berührt kein Centstück und keinen Euro. Die Fahrgäste legen das Geld auf eine Schale, ein Automat nimmt es entgegen und gibt entsprechend Kleingeld heraus. Der Fahrschein wird gedruckt und ich würde erwarten, dass der Busfahrer diesen überreicht. Aber nein, jeder Fahrgast nimmt sich den Schein selber. Kein Körperkontakt zwischen Busfahrer und Passagieren. Absicht oder reiner Zufall?
Indes peitscht der Herbstwind über die Elbe, kleine Schaumkronen sind zu sehen. Schön, dieser kleine Umweg an der Elbe entlang, jedenfalls für die Passagiere im Bus. Die Anwohner in Grünhof sehen das anders. Wieder höre ich das Husten von hinten, der Mann mir gegenüber schlummert immer wieder mit der Nase an der Scheibe ein und ich bin gleich in Geesthacht angekommen. Der Geruch von Kaugummi und Bonbons liegt in der Luft. »Hoffentlich sonst nichts«, denke ich, die hustende Dame betrachtend.
Beim Aussteigen versuche ich, die Haltestangen nicht zu berühren, aber sowohl die Fahrweise des Busfahrers als auch meine schwere Fototasche lassen diesen Wunsch von möglichst geringem Kontakt scheitern.
Interessant, so eine Busfahrt, aber jetzt suche ich erst einmal eine Gelegenheit, mir meine Hände gründlich zu reinigen.