20-02-09
In China an Geesthachter Helfer gedacht
Von Olaf Kührmann
Geesthacht – »Da war ich schon tierisch überrascht«, sagt Stephan Streubel. Und man sieht es dem Vorsitzenden des Geesthachter Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) noch immer an, dass dieses Päckchen einen ganz besonderen Inhalt hatte.
Absender, so sagt Streubel, sei das Generalkonsulat der Volksrepublik China gewesen. Und der Inhalt ein Bildband mit zahlreichen Fotos und erläuternden chinesischen und englischen Texten sowie einem Anschreiben des Generalkonsuls der Volksrepublik China in Hamburg, Ma Jinsheng. Und auf einem der Fotos habe er sich und andere Helfer des Geesthachter Ortsvereins erkannt. Wie aber ist dieses Foto in eine druckfrische Publikation aus der Volksrepublik gekommen?
Wir erinnern uns: Das Jahr 2008 sollte ein ganz besonderes Jahr in der Geschichte der Volksrepublik China werden. Die Olympischen Spiele standen vor der Tür, in Peking, Shanghai, Hong Kong und anderen Teilen des Landes bereiteten sich Millionen Menschen darauf vor, Sportler aus der ganzen Welt in ihrem Land zu empfangen. Doch dann bebte die Erde in Wenzhou, 1.800‧ ‧Kilometer von der Hauptstadt ‧Peking entfernt.
Immer wieder bebte die Erde. Und diese Beben forderten immer mehr Opfer. 80.000 könnten es gewesen sein. Genau wird man es nie erfahren.
In vielen Teilen der Welt liefen die Hilfsmaßnahmen an. Und auch in der Kleinstadt Geesthacht am Rande Hamburgs setzten sich Menschen zusammen und berieten, wie sie helfen konnten. Was diese Menschen einte: Sie waren und sie sind Mitglieder des DRK-Ortsvereins Geesthacht. Einer von ihnen: der Internist, Dr. med. Holger Scherf. Er sei China mit dem Herzen verbunden, sagt der Arzt, der fünf Jahre gemeinsam mit chinesischen Kollegen studiert und die Volksrepublik auch bereist hat. Und so rief er eine in der Volksrepublik lebende, befreundete Kollegin an. »Wir waren uns einig, am besten mit Medikamenten helfen zu können«, sagt Scherf.
Der Geesthachter Arzt schrieb an 24 deutsche Pharmaunternehmen, bat um Spenden. »Wir wurden zu Sammlern und Vermittlern«, sagt er heute.
Nahezu zwei Tonnen Medikamente und Verbandsmaterial im Wert von etwa 200.000 Euro kamen zusammen. Scherf: »Wir haben unser Augenmerk vor allem auf knochengängige Antibiotika gerichtet, da diese dringend im Katastrophengebiet gebraucht wurden.«
Nicht ganz einfach sei es mit den Export- und Importgenehmigungen gewesen, erinnert sich der Mediziner. Doch er habe die richtigen Drähte gehabt.
Große Überraschung bei den Geesthachtern als die Spenden abgeholt wurden: Generalkonsul Ma, begleitet von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua und CCTV, dem chinesischen Fernsehen, kam persönlich zum DRK-Ortsverein, um sich zu bedanken. Doch die Chinesen dachten auch weiter an die Geesthachter Helfer: »Dr. Scherf und ich haben je ein Video mit der CCTV-Aufzeichnung bekommen. Und jetzt der Bildband mit unseren Fotos, wir freuen uns sehr«, sagt Streubel.