31-07-09
Ein Go! als Maßstab
Von Olaf Kührmann
Büchen - Markus Räth steht vor den verkohlten Resten seiner Zimmerei und sieht nach vorn: »Ich habe 12 Mitarbeiter, alles gute Leute. Seit 20 Jahren bin ich selbstständig, und ich kann sagen, nicht ganz unerfolgreich. Da gibt es nur ein Go oder ein No.« In der Nacht zum Sonntag ist sein Betrieb in Büchen abgebrannt, zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Monaten. Während die Polizei nach dem ersten Brand einen Steinmarder als Brandstifter ermittelt hatte, stehen die Brandursachen-Ermittlungen jetzt ganz am Anfang.
Der Zimmer- und Dachdeckermeister war gerade an der Müritz im Urlaub, als die Mailbox seines Handys am Sonntag- morgen die Botschaft für ihn hatte: Gegen 1.30 Uhr sind das 350 Quadratmeter große Holzlager und die 200 Quadratmeter große Werkstatt komplett abgebrannt. Aber den Bürotrakt konnten die Feuerwehren retten.
»Dieses Mal«, sagt Markus Räth, »hat es doch ein wenig länger gedauert, bis ich die Botschaft verdaut hatte.« Denn erst im Spätherbst vergangenen Jahres hatte Räth mit zahlreichen Gästen den Wiederaufbau seiner Firma nach dem ersten Brand gefeiert.
Obwohl die Freiwilligen Feuerwehren Büchen, Büchen-Dorf, Müssen und Schwarzenbek mit der Drehleiter schnell am Brandort waren, beträgt der Sachschaden 400.000 Euro.
Die Flammen waren bereits in der Gebäudemitte durch das Dach, ein relativ flaches Satteldach mit Blecheindeckung und einem hölzernen Dachstuhl, geschlagen, als die Feuerwehr im Gewerbegebiet Auf der Heide angekommen war. Der mittlere Gebäudeteil war von dem Feuer vollständig zerstört worden. Das Dach war über dem gesamten Bereich der Lagerhalle eingestürzt. Die Wehren hatten das Dachblech zum Teil durchtrennen müssen. Im Bereich der Werkstatt ist das Dach nun stark einsturzgefährdet. Den Dachstuhl sowie das Inventar der Lagerhalle und der Werkstatt hat das Feuer weitestgehend zerstört. Räth: »Zu 95 Prozent Schäden, wie beim ersten Brand.«
Am Mittwoch hat sich ein Elektrosachverständiger die Brandstelle angesehen. Nachdem die einsturzgefährdeten Gebäudereste abgetragen sind, soll ein Brandmittelspürhund der Polizei ebenfalls noch eingesetzt werden.
»Die Feuerwehr kannte das Szenario ja noch vom ersten Brand«, sagt Räth. Besonders der Einsatz der Drehleiter aus Schwarzenbek habe noch Schlimmeres verhindert. Räth: »Mithilfe der Drehleiter haben Feuerwehrleute das Dach aufgeflext, den Brand auch von oben bekämpft und mir mein Büro mit zahlreichen Unterlagen gerettet.«
Der 46-Jährige richtet den Blick nach vorne: »Sie sind jetzt schon zum Richtfest eingeladen. Schließlich will ich hier im Gewerbegebiet, in das ich vor 20 Jahren den ersten Pflock eingeschlagen habe, noch viele Jahre arbeiten.«
Da er »richtig versichert« sei, hätte er höchsten Tränen der Rührung in den Augen, wenn er daran denke, wie viel Hilfe ihm von befreundeten Firmen, Geschäftspartnern und Lieferanten angeboten worden sei.
Für die 12 Angestellten des Unternehmens geht die Arbeit nahtlos weiter: »Wir arbeiten gegenwärtig auf Baustellen in Büchen und Wentorf, stocken die Schuldächer auf«, sagt Räth.