26-03-10
Wirtschaftsförderungsgesellschaft bleibt auf Kurs
Ratzeburg (vd) – Klaus Schlie, Innenminister des Landes und Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises (WFL), blickt stolz auf die 20 Jahre der WFL zurück: »Die Gründung der Gesellschaft vor 20 Jahren war eine kluge Entscheidung des Kreistages. Sie wurde von allen politischen Kräften getragen.« Dr. Matthias Esche, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, bringt es für die Gegenwart auf den Punkt: »Mit der derzeitigen Standortinitiative können wir nach 20 Jahren noch einmal durchstarten.«
Ziel der Wirtschaftsförderungsgesellschaft damals wie heute ist die Verminderung von strukturellen Defiziten, so Geschäftsführer Werner Hesse in seinem Jahresbericht. Dies ist vorrangig die unzureichende Zahl von Unternehmen im Kreis und damit verbunden der negative Pendlersaldo. Seit ihrer Gründung ist es der WFL gelungen, 558 Unternehmen im Kreisgebiet neu anzusiedeln. Hauptinstrumentarium dafür ist die Schaffung von Gewerbegebieten. Nahezu sämtliche Gewerbegebiete im Kreis, in Breitenfelde, Lauenburg, Lanken oder Geesthacht, hat die WFL erschlossen und vermarktet.
Auch derzeit ist die WFL dabei, Zukunftsstandorte zu lokalisieren und zwar in Übereinstimmung mit dem Landesentwicklungsplan von Schleswig-Holstein, der in der überarbeiteten Version zum ersten Mal auch die B 207 neben den Autobahnen A 20, A1 und A 24 als Hauptverkehrsachse definiert. Die Ansiedlung von Gewerben erfolgt vorrangig entlang der Hauptverkehrsadern.
Wie hat sich nun der Pendlersaldo in den 20 Jahren entwickelt? Dem Papier nach ist er unverändert negativ mit 19.000 Pendlern, die den Kreis zur Arbeit verlassen gegenüber einigen wenigen, die hereinpendeln. Positiv in der Bilanz steht die Schaffung von fast 8.800 Arbeitsplätzen durch die Neuansiedlung von Unternehmen in den letzten 20 Jahren. Demgegenüber verzeichnete die Bevölkerung aber eine deutliche Zunahme von 160.000 Einwohnern im Jahre 1989 auf 187.000 im Jahre 2009. »Die demografische Entwicklung ist ein Geschenk. Es gibt Landstriche in Deutschland, die entvölkert werden«, betont Matthias Esche. Neben der Planung von Zukunftsstandorten geht die im Jahre 2009 lancierte Standortkampagne weiter. Die pfiffige Werbekampagne an markanten öffentlichen Plätzen wie Hauptbahnhof und Flughafen von Hamburg wird in diesem Jahre fortgeführt, denn die Gesellschaft erwartet hier die Früchte erst mittelfristig aufgrund des Planungshorizontes von Unternehmen. Selbst vor der sogenannten Guerillataktik in der Werbung schreckt die WFL nicht zurück. So wird beispielsweise in das 17. und 18. Loch eines Golfplatzes, der von Wirtschaftsführern frequentiert wird, ein Flugblatt postiert mit der Aufforderung »Kommen Sie raus aus Ihrem Loch – Herzogtum Lauenburg.«
Als dritten Schwerpunkt in der Zielsetzung nennt Werner Hesse die Verstärkung des Technologietransfers. In Zusammenarbeit mit dem Geesthachter Innovations- und Technologiezentrum sollen Erkenntnisse aus der Forschung verstärkt der Wirtschaft zur Nutzbarmachung übermittelt werden. Stolz ist Werner Hesse auf die finanzielle Lage der Gesellschaft. »Wir stehen auf eigenen Beinen, das Geschäft trägt sich selbst. Wir erhalten keine Zuschüsse mehr.«
Und Matthias Esche fügt hinzu: »Das ist besonders wichtig in Zeiten der Krise, wo die Politik gern Mittel kürzt.« Für das nächste Jahr sind Aufsichtsrat und Geschäftsführung zuversichtlich: »Wir spüren bereits anhand der zunehmenden Anfragen, dass die Konjunktur anzieht.«