27-03-09
Das Ende des 2. Weltkrieges in Börnsen
Börnsen (ml) – Der 2. Weltkrieg ist längst Vergangenheit, doch seine Aufarbeitung beschäftigt nicht nur die Historiker bis heute. Das Thema Kriegsende in Börnsen lockte kürzlich etwa 80 Börnsener und auswärtige Besucher zu einem Geschichtsabend in die Waldschule, eine Resonanz, die die drei Referenten freudig überraschte. Eingeladen hatten der Arbeitskreis Ortsgeschichte Börnsen und die Bezirksgruppe Geesthacht des Heimatbund und Geschichtsvereins. Archivar Dr. William Boehart erläuterte anhand von alten Fotos und Filmausschnitten zunächst die Vorgehensweise der englischen Truppen, die Ende April bei Artlenburg mit Buffalo-Schwimmpanzern über die Elbe kamen, nachdem die Brücke bei Lauenburg von den Deutschen gesprengt worden war. Er hat dazu in englischen Archiven geforscht und 140 Fotos sowie eine Dreiviertelstunde Film gesichtet. Börnsen sei für die Engländer das Tor nach Hamburg gewesen, so Dr. Boehart. Zeitzeugen hatten berichtet, dass die Briten auch auf dem Weg durch Börnsen von Panzern unterstützt wurden, ein Thema, das den zweiten Referenten des Abends, den Börnsener Historiker Dr. Carsten Walczok, zu Nachforschungen inspirierte. Drei Panzer waren auf dem Weg von der Bundesstraße 5 Richtung Bundesstraße 207 in Höhe Pusutredder von einem Soldaten mit der Panzerfaust abgeschossen worden. Gerüchten zufolge sollten in Börnsen Panzer vergraben worden sein, das bestätigte sich jedoch nicht. Ein Gefecht gab es an der Ecke Frachtweg / Bundesstraße 207. Die Familie Borstelmann musste ihr Haus verlassen und flüchtete ins Dorf. Ein weiteres Gefecht lieferten sich Deutsche und Engländer Anfang Mai an der Bundesstraße 5. »Dazu hätte ich gern noch mehr Zeitzeugen«, sagt Dr. Walczok. Geschichtsabende wie dieser seien eine gute Gelegenheit, Näheres zu erfahren. Und er hat ein weiteres Anliegen, er möchte einen Gedenkstein errichten lassen: »Hier in Börnsen sind Menschen gestorben, und es besteht die Gefahr, dass wir das vergessen – das Gebiet, um das es geht, ist schon teilweise bebaut.« Und außerdem ist hier in Börnsen »ein ganz klein wenig große Geschichte geschrieben worden«, denn von hier aus wurde wohl das Ende des 2. Weltkrieges eingeleitet. Am 3. Mai hat Hamburg kapituliert. Der dritte Referent, Jörg Hamburger, wohnt ebenfalls in Börnsen und interessiert sich für dieses Thema; er will genau wissen, was damals passiert ist. Ein Teil der Kapitulation Deutschlands wurde vermutlich von Börnsen aus in die Wege geleitet, aber: »Mit Gerüchten bin ich unzufrieden.« Möglicherweise finden sich ja noch Zeitzeugen?