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06-11-09

Die Karawane reißt nicht ab

 


Mittwochmorgen, Regen und Containerlaster: »Von hier an wird es eng«, sagt Timo Lenzen. Und steht vor einem der neuralgischen Punkte der Umleitungsstrecke am Steinberg in Grünhof.Foto: Olaf Kührmann

Von Olaf Kührmann

Grünhof-Tesperhude - Sie rollen und rollen ...
Gleichmäßig dumpf dröhnen die Motoren der schweren Zugmaschinen auf der Bundesstraße 5. Ein polnisches Kennzeichen reiht sich oft an das nächste. Die Containerlaster kommen. Und die Karawane reißt nicht ab. Die polnischen Lastzüge, die Container aus dem Hamburger Hafen gen Osten transportieren, meiden offensichtlich die Autobahn mit ihren Mautstellen.
»Ich mache mir inzwischen Sorgen um die Sicherheit der Menschen in Grünhof-Tesperhude, besonders aber meiner elfjährigen Tochter«, sagt Anwohner ‧Timo Lenzen. Denn nicht nur Lenzen schätzt die Zahl der wegen einer Umleitung der Bundesstraße 5 täglich durch Grünhof-Tesperhude rollenden Containerlaster auf mehrere Hundert Fahrzeuge am Tag.


Lenzen, der als Geschäftsführer einer Firma im Hamburger Hafen selbst im Containergeschäft arbeitet, hat sich an das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) gewandt. In einem Schreiben an den Leiter der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des Amtes, Horst Roitsch, schildert der 32-Jährige:

»Sehr geehrter Herr Roitsch,
bereits vor einiger Zeit, bei längeren Spaziergängen auch teilweise an der B5 entlang, ist uns aufgefallen, dass der LKW-Verkehr hier in den letzten Jahren sehr stark zugenommen hat. Teilweise fahren viele LKW direkt in einem Konvoi von bis zu 6 Fahrzeugen. Beim genaueren Betrachten sind es oftmals osteuropäische LKW mit polnischem Kennzeichen. Durch die Baustelle an der Ortseinfahrt in Geesthacht werden die Fahrzeuge jetzt durch unser Grünhof geleitet, sodass das Verkehrsaufkommen hier sehr stark angstiegen ist. In erster Linie sind wir nätürlich an der Sicherheit, aller Verkersteilnehmer (besonders unserer Kinder) interessiert und dass auch in Geesthacht, wenn die B5-Ortseinfahrt Mitte Dezember wieder frei ist. Weiter bedenken wir dann unserer frisch sanierten Straßen und der Kanalisation. Da der Bürgerverein von Grünhof überall nur auf taube Ohren gestoßen ist, möchte ich es hiermit einmal an weiteren Stellen probieren. Also in diesem Sinne: Warum können schwere LKW nicht die dafür gebauten Autobahnen nutzen? Sie weichen vermutlich als Mautflüchtlinge auf unsere kleinen Straßen aus und zerstören diese auf lange Sicht und gefährden unsere Sicherheit? Wieso wird hier so lange zugeschaut und nichts unternommen? Muss erst ein schwerer Unfall wieder einmal der Auslöser sein ???
Über eine Reaktion würde ich mich sehr freuen und verbleibe ...
mit freundlichen Grüßen
Timo Lenzen


»Es ist sicher ein Weg, öffentlich Druck zu machen, um Veränderungen herbeizuführen«, sagte Roitsch in einem Gespräch mit dem Wochenend-Anzeiger. Er werde die Anregung an die zuständige Außenstelle des BAG in Schwerin weitergeben, die auch die Straßen in Schleswig-Holstein betreue. Roitsch: »Die Kollegen werden den Bereich dann vielleicht verstärkt kontrollieren.«


Auch der sehr engagierte Bürgerverein Grünhof-Tesperhude hat sich schon mit dem Vorschlag an die Stadtverwaltung in Geesthacht gewandt, den LKW-Verkehr von Lauenburg aus über die Bundesstraßen 209 und 207 zu leiten. »Doch man hat uns nur gesagt: Das muss durchgestanden werden«, sagt Horst Baumbach, 2. Vorsitzender des Bürgervereins. Baumbach: »Auch Anfragen im zuständigen Ausschuss der Ratsversammlung und an Geesthachts Bürgervorsteher Peter Groh haben keine Lösung gebracht.« Einen Tag nach dem Gespräch des Wochenend-Anzeigers mit dem BAG-Pressesprecher in Köln waren gleich drei BAG-Einsatzfahrzeuge im Bereich Lauenburg unterwegs. »Grundsätzlich kann jeder die Straßen befahren«, sagt ein BAG-Mitarbeiter, der wie seine Kollegen, nicht namentlich genannt werden will. »Die polnischen Fahrer«, ergänzt ein anderer BAG-Mann, »fahren in der Regel über die Grenze nach Polen. Dabei benutzen viele von ihnen zwischen dem Hamburger Hafen und dem Grenzübergang nach Polen in Frankfurt/Oder nur 50 Kilometer Autobahn. Den Großteil fahren sie also auf Bundes- und Landstraßen.« Und weiter: »Die meisten LKW sind nachts unterwegs, so bis morgens gegen 8 Uhr. Wenn man verhindern will, dass die Containerlaster durch die Ortschaften fahren, muss man ein Durchfahrverbot für derartige Transporte verhängen.« Bis zu 12 Containerlaster hintereinander seien keine Ausnahme, bestätigen die Männer in den Mercedes-Sprintern mit den blauen Bauchbinden und den Blaulichtern auf den Dächern. Selbst wenn das Durchfahrverbot wegen der Baustelle auf der Bundesstraße 5 vor Geesthacht wieder aufgehoben wird: Das Problem wird bleiben. Denn die Containerlaster werden weiterhin durch Geesthacht, Lauenburg und die anderen Gemeinden an der Bundesstraße 5 fahren.


Gemeinsam mit dem Reporter sind sich die BAG-Mitarbeiter einig: Sollte Deutschland die Wirtschaftskrise irgendwann einmal hinter sich lassen, kann es mit den Containerlastern nur schlimmer werden.



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