26-06-09
Das Höchste erreicht, was er erreichen wollte
Von Olaf Kührmann
Geesthacht - »Ostfriese ist das Höchste, was ein Mensch werden kann!«, stand eines Tages an der Tür von Bürgermeister Ingo Fokken im Geesthachter Rathaus. »Ich weiß nicht ...«, hatte er sich ein wenig geziert, als ich das Stück Papier mit der bekennenden Botschaft fotografieren wollte. Um dann mit einem »Na, wenn Sie meinen ...« und unüberhörbarem Stolz in der Stimme das Ok zu geben. Ingo Fokken hat das Höchste erreicht, was er erreichen wollte. In seiner Stadt Geesthacht hat Fokken sich auch immer zu seiner Heimat Ostfriesland bekannt, zu Geradlinigkeit, der oft zu spürenden Verschmitztheit, zum Leben, so, wie es ist. Nun ist Geesthachts Bürgermeister tot. Und nicht nur die auf Halbmast gesenkte Fahne vor dem Rathaus verrät Trauer.
Am Montagabend ist Ingo Fokken im Alter von nur 50 Jahren auf einem Golfplatz in Escheburg gestorben. Er hatte alleine Golf gespielt, muss irgendwann zusammengebrochen sein. Wie lange er so auf dem Platz gelegen hat, steht noch nicht fest. Der Notarzt konnte nicht mehr helfen. Da die Todesursache unklar war, ermittelte die Kriminalpolizei. Gegen Mitternacht wurde die Leiche zum Abtransport freigegeben. Um die Umstände, die zum Tod des 50-Jährigen geführt haben zu klären, wurde Fokkens Leichnam am Mittwoch in die Gerichtsmedizin nach Lübeck gebracht. Seine Sekretärin, die noch am Montagnachmittag mit ihm gesprochen hatte: »Er war gut gelaunt.« Noch am Sonnabend- nachmittag hatte ich Ingo Fokken und seine Ehefrau Brigitte während des Tages der offenen Tür der Städtischen Betriebe Geesthacht an der Mercatorstraße fotografiert. »Wenn meine Mitarbeiter am Wochenende hier auf den Beinen sind, ist es selbstverständlich, dass ich vorbeikomme«, hatte Fokken gesagt. Und die städtischen Angestellten – wie so oft in der Öffentlichkeit – gelobt: »Ich denke, dass die Stadt mit diesem großzügigen Gelände und den modernen Gebäuden die gute Arbeit der Mitarbeiter der Städtischen Betriebe würdigen konnte. Schließlich hat Geesthacht ein gepflegtes Stadtbild. Und das ist insbesondere das Verdienst unserer Mitarbeiter der Städtischen Betriebe.«
Vom 1. Mai 2000 bis zum 22. Juni 2009 war Ingo Fokken Bürgermeister der Stadt Geesthacht, im September 2005 hatten sich die Geesthachter für eine zweite Amtszeit des parteilosen Fokken ausgesprochen.
Wie gerne hätte Ingo Fokken das Band zur Eröffnung der Geesthachter Ortsumgehung durchgeschnitten. Irgendwann, vielleicht kurz vor seiner Pensionierung. Vielleicht schon nicht mehr als Bürgermeister. Doch diese Umgehung wäre dann sein Kind gewesen, auf der Liste seiner Vorhaben stand sie ganz oben an. Wie gerne hätte Ingo Fokken Geesthachts kleine Hafencity noch gesehen, dieses Wohnensemble direkt an der Elbe. Und auch für den Containerhafen hätte der Bürgermeister ganz sicher gerne weiter geworben. Doch der im Jahre 1959 in Weener an der Ems in Ostfriesland geborene Ingo Fokken, der von 1976 bis 1979 an der Fachhochschule in Oldenburg Bauingenieurswesen studiert hat, hinterlässt in Geesthacht natürlich seine Spuren. Schon beim Betreten des Rathauses sind sie als zentrales Bürgerbüro, einer Anlaufstelle für alle knapp 30.000 Geesthachter, sichtbar. Und auch der Verwaltungsstrukturreform, einer eher bürokratischen Aufgabe, die aber zu mehr Effizienz in der Arbeit der Verwaltung führte, hatte sich Ingo Fokken schon bald nach seiner Wahl angenommen.
»Mit Durchsetzungsvermögen und Prinzipientreue lenkte er die Geschicke unserer Stadt geradlinig und zuverlässig. Dabei hatte er immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Bürger. Sein Amt führte er persönlich und engagiert. Dabei war ihm eine enge Verbindung zu den das gesellschaftliche Leben bestimmenden Vereinen besonders wichtig«, heißt es in einer von Bürgervorsteher Peter Groh und dem 1. Stadtrat, Dr. Volker Manow, unterzeichneten Erklärung.
Ja, Ingo Fokken war gerne Gast der zahlreichen Vereine der Stadt. Sachlich und kompetent in der Arbeit; ausgleichend, wenn nötig auch schlagfertig, in der Ratsversammlung; und vergnügt bei den Arved-Kessler-Abenden der Geesthachter Liedertafel.
Geesthacht muss jetzt lernen, ohne Ingo Fokken zu leben.