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13-11-09

"Vorsicht bei Bettina Boll"

 


Bettina Boll mit ihrem »Steckbrief«: Nicht ausladbar und mit Vorsicht zu genießen.Foto: Olaf Kührmann

Von Olaf Kührmann

 

Geesthacht - Sie argumentiere rein emotional, mit ausschweifenden Wortbeiträgen und könne nicht mehr ausgeladen werden, heißt es auf einem Blatt Papier, das mit »Vorsicht bei Bettina Boll, Bündnis 90/Grüne Hzgtm. Lauenburg« überschrieben ist. Versehen ist das Papier mit einem Foto der Grünen Ratsfrau aus Geesthacht. Seit dem 12. Oktober ist das brisante Papier in den Händen der Atomkraftgegnerin, zugespielt in einem Briefumschlag, den sie am Morgen dieses Tages in ihrem Briefkasten gefunden hatte. Bettina Boll gar nicht ausschweifend: »Ich habe so etwas erwartet.«
Der 12. Oktober war der Tag, an dem Vattenfall zu einem Bürgerdialog in den Informationspavillon des Atomkraftwerkes Geesthacht eingeladen hatte. Boll: »Dieser Arbeitszettel, den ich in dem Umschlag gefunden habe, bestand auch aus meiner Anmeldung für eine Veranstaltung im Kernkraftwerk am 4. Juni 2009, die ich direkt an die Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH am Überseering in Hamburg geschickt hatte.«


Stutzig wurde die 55-Jährige, als sie entdeckte, dass an dem Papier einige Löchlein waren: »Da muss irgendetwas angetackert gewesen sein.« Ihre Vermutung: »Das Blatt könnte aus einem Ringbuch stammen, vielleicht gibt es sogar ein größeres Register. Vielleicht sogar für jeden Arbeiter im Atomkraftwerk.« Boll: »Der Zettel war offensichtlich für die Veranstaltung vorbereitet, da auch die Sprecherin der Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch und Lüneburger SPD-Kreistagsabgeordnete Sabine Brosowski auf dem Papier auftaucht.« Die Grüne Ratsfrau vermutet: »Vielleicht werden wir in alphabetischer Reihenfolge geführt«.


Während eines »informellen Dialogs«, zu dem Vattenfall am Dienstag dieser Woche ausgewählte Personen in das Informationszentrum des Kernkraftwerkes Krümmel eingeladen hatte, war auch – nicht eingeladen und auch nicht ausschweifend – Bettina Boll erschienen. »Dieser Zettel ist definitiv aus Ihrem Haus, habe ich dem anwesenden Geschäftsführer Vattenfall Europe Nuclear, Ernst Michael Züfle, gesagt.« Boll: »Die Öffentlichkeit, die Elterninitiative und alle, die in der Anti-Atomkraftbewegung arbeiten, sollen das wissen. Was dann jeder daraus macht, ist seine Sache«.

Dr. Barbara Meyer-Bukow, als Vattenfall-Pressesprecherin auch für das Kernkraftwerk Krümmel zuständig, räumte am Mittwoch ein, dass es sich bei der Bettina Boll zugespielten Seite um »die persönlichen Einschätzungen einer Vattenfall-Mitarbeiterin« handele. Die Frau habe Vattenfall Europe Nuclear auf eigenen Wunsch im Sommer verlassen, sei aber weiterhin für das Unternehmen tätig. Meyer-Bukow: »Wir haben keine derartigen Dossiers, es gibt keine Ordner mit solchen Einschätzungen und wir distanzieren uns von dem Verhalten der Mitarbeiterin." Die Informationen über Boll und Brosowski habe die Frau von einer Internetseite bezogen. Meyer-Bukow weiter: »Wir sind weiterhin an Gesprächen mit Frau Boll interessiert.«



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