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10-03-09
Fanpost für den Eisernen Kanzler
»Sturmerprobter Edelstein«, »Fels im Norden« oder »Riesenbaum im Eichenwald« sind Beispiele für die heute teilweise sehr sonderbar anmutenden Ehrentitel, mit denen die Anhänger Bismarcks ihr Idol in unzähligen Glückwunschbriefen zu seinem 81. Geburtstag 1896 hochleben ließen. Obwohl schon seit sechs Jahren außer Dienst, galt der Altreichskanzler seinen Verehrern als der »einzig wahre Schmied des Reiches«, »Retter des Vaterlandes«, ja wurde als »Erlöser der deutschen Nation« in fast göttliche Sphären gehoben. Einen vergleichbaren Personenkult hatte es in der deutschen Geschichte noch nicht gegeben. Die Hintergründe untersuchten 21 Schüler des Leistungskurses Geschichte des Otto-Hahn-Gymnasiums im Rahmen des Geschichtswettbewerbs der Koerberstiftung zum Thema »Helden: verehrt – verkannt – vergessen«. Dabei werten es die Schüler und ihre Lehrerin Susanne Falkson als Glücksfall, dass ihnen das bislang unveröffentlichte und wissenschaftlich noch nicht ausgewertete umfangreiche Material (circa 6.000 Briefe) von der Otto-von-Bismarck-Stiftung zur Bearbeitung zur Verfügung gestellt wurde. Mehr durch Zufall hatte der Kurs während eines Besuchs in Friedrichsruh von der Existenz der Briefe erfahren. Unterstützt wurde das Projekt vom Museumspädagogen Dr. Andreas von Seggern. Vor der Auswertung mussten die Schüler sich in die altertümliche Deutsche Schrift der Briefe einarbeiten. In konzentrierter und schweißtreibender Arbeit wurden so 677 Briefe übertragen – oft auch mit Hilfe der Großeltern, denen das Entziffern der Handschriften leichter fiel. Vier Monate lang wurde Literatur gewälzt, wurde vorsortiert und formuliert, wurden 350 Passanten zur Aktualität des Bismarck-Mythos befragt, wurden Fotografien, Diagramme und Zeichnungen angefertigt. Das Ergebnis: Ein 50-seitiges Werk mit dem Titel »Idealster Held!«, das sich im Wettbewerb mit der Konkurrenz aus ganz Schleswig-Holstein, im Falle eines Erfolges auf Landesebene mit der des gesamten Bundesgebiets wird messen müssen. Unabhängig davon werten die Schüler die Teilnahme als persönlichen Gewinn: »Noch nie während unserer Schulzeit haben wir so konzentriert und auf so hohem Niveau arbeiten müssen. Am Ende konnten wir nachvollziehen, wie der Personenkult entstanden ist und warum Menschen in unsicheren Zeiten ihre Hoffnungen, ihre Wünsche und nationalen Träume auf die Person Bismarcks konzentrierten. Dass sie dabei einen Mythos schufen, der mit dem Menschen Bismarck kaum noch etwas gemeinsam hatte, war ihnen nicht bewusst«, zu diesem Fazit kommt Kurssprecherin Hava Carolina Elvan. Die Arbeit ist nachzulesen auf der Schulhomepage des OHG unter: www.ohg.sh.schule.de |
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