16-06-06
Ein Denkmal steht am Waldesrand – und keiner weiß warum?!
(ml) - So haben sich die Organisatoren das wohl nicht vorgestellt: Seit Jahrzehnten steht ein Denkmal im Sachsenwald, dessen Ursprung offenbar recht im Dunkeln liegt. Die Gemeindeverwaltung verwies auf die Fürstlich von Bismark'sche Verwaltung, die riet, beim Bismarck-Museum nachzufragen. Von dort kam schließlich der entscheidende Tipp: Bei der Bismarck-Stiftung könnte die Nachfrage lohnen. Museumspädagoge Dr. Andreas von Seggern schließlich hatte die gewünschte Auskunft parat.
Das Denkmal wurde von Bildhauer Walter von Ruckteschell (1882-1941) geschaffen und zeigt einen deutschen Afrikakämpfer, dem ein Askari-Krieger zur Seite steht. Ihm zu Füßen hockt ein eingeborener Träger. Das Denkmal soll an den Kolonialkrieg in Deutsch-Ostafrika von 1914 bis 1918 erinnern sowie »an Altkanzler Fürst Otto von Bismarck, dessen diplomatisches Geschick Deutschland diese ehemalige Afrika-Kolonie einbrachte«, wie einem Zeitungsausschnitt vom 10. Mai 1955 über das Ereignis zu entnehmen ist.
Im 2. Weltkrieg vergrub die Witwe des Künstlers das Werk ihres Mannes, das in Düsseldorf wieder aufgestellt werden sollte. Dazu kam es jedoch nicht. Schließlich fand das Denkmal seinen Platz im Sachsenwald nahe der Bille, wo es im Mai 1955 vom damaligen Ministerpräsidenten von Hassel und Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg enthüllt wurde. An der Feier nahmen auch über fünfhundert Angehörige der ehemaligen 'Schutztruppe' Ostafrikas teil. »General Paul von Lettow-Vorbeck, den die alten Afrikaner besonders ehren wollten«, konnte aus Krankheitsgründen nicht dabei sein.