13-05-09
Schüler organisieren Protestmarsch
Seit Ende der Anmeldefrist für die neuen Fünftklässler steht fest, dass es aufgrund von nur sechs Anmeldungen keine Zukunft für die Realschule in Aumühle gibt. Deshalb beteiligten sich am letzten Tag vor den Osterferien fast alle Realschüler an einem Protestmarsch zum Rathaus. Sie überreichten Bürgermeister Dieter Giese eine Liste mit 350 Unterschriften für den Erhalt der Schule. Giese versprach, die Liste sowohl nach Kiel als auch ans Kreisschulamt weiterzuleiten.
Zu einem Informationsabend nach den Osterferien kamen rund 100 Eltern und forderten endlich Klarheit über die schulische Zukunft ihrer Kinder. Als Gast war Jürgen Hübner als Vertreter der Schulrätin Birgit Groß dabei. Er betonte, dass der Rückgang der Schülerzahl in Aumühle dramatisch sei. Das wichtigste sei jetzt, den Fokus auf die Kinder zu richten, die ein Recht auf gute Bildung haben. Er machte klar, dass eine kleine Schule nicht das breit gefächerte Angebot bieten könne, das heute gewünscht und gefordert werde.
»Für die kommenden beiden Jahre kann ein gutes pädagogisches Angebot in Aumühle sichergestellt werden«, so Hübner. Wenn die künftigen Klassen neun und zehn die Schule verlassen haben, blieben nur noch vier Realschulklassen übrig – zu wenig Schüler, um weiterzumachen. Die Situation sei extrem schwer einzuschätzen, weil sich die Schülerzahl im Augenblick täglich ändere. Am Tag der Info-Veranstaltung wurde bekannt gegeben, dass weitere 16 Schüler der Klassen fünf bis sieben von den Eltern an andere Schulen umgemeldet wurden.
Mit der Realschule in Wentorf werden Gespräche geführt, um Lösungen für die Kinder zu finden.
Seitens der Eltern gab es deutliche Kritik an der Gemeinde als Schulträger. »Wir haben ausreichende Informationen vermisst«, so eine Mutter. In der Grundschule in Kuddewörde kursierten bereits seit zwei Jahren Gerüchte, dass der Standort Aumühle geschlossen werde. Besonders die Eltern der jetzigen Fünftklässler äußerten ihren Unmut: Ihnen war im vergangenen Jahr seitens der Schulleitung zugesichert worden, dass die Kinder ihren Abschluss in Aumühle machen könnten.
Um eine Lösung zu finden, bittet Hübner die Eltern jetzt ebenfalls um Verlässlichkeit. Sie sollen ihre Kinder nicht im laufenden Schuljahr ummelden, weil mit ständig schwankenden Klassenstärken nicht zu planen sei.
Wenn jetzt immer mehr Schüler abgemeldet werden, wäre jahrgangsübergreifender Unterricht für die verbleibenden Schüler die Konsequenz. Aus pädagogischer Sicht keine gute Lösung, so Hübner.
Harsche Kritik gab es seitens der Eltern an den Vertretern der UWG. »Heute sagen sie, dass sie die Schule erhalten wollen, in einem Flyer haben sie bereits vor Wochen ein Nutzungskonzept für die freiwerdenden Realschulräume vorgelegt«, so eine erboste Mutter. »Das ist Heuchelei.«
Aumühle ist kein Einzelfall im Land, denn viele kleine Schulstandorte haben aufgrund des neuen Schulgesetztes und der rückläufigen Entwicklung der Schülerzahlen keine Zukunft. Dass aber bei laufendem Betrieb die Schülerzahlen so dramatisch einbrechen, ist neu. »Aumühle ist ein außergewöhnlicher Fall«, erklärte Hübner, »es gibt hier keine Musterlösung.«