13-05-09
Hagel-Chaos
»Der April, der April, der macht, was er will...« Mit einem lauten Knall verabschiedete sich der launische Monat von den Wohltorfern und Aumühlern.
Den 29. April werden viele Bürger nicht so schnell vergessen. Nach knapp drei Wochen richtig sommerlichen Wetters brach über die Sachsenwaldgemeinden am frühen Abend ein schweres Unwetter herein. Gegen 17.30 Uhr verdunkelte sich der Himmel. Es sah zunächst nur nach einem Gewitter aus.
Doch was dann losbrach, ist für norddeutsche Verhältnisse sehr ungewöhnlich: Innerhalb weniger Minuten donnerten taubeneigroße Hagelkörner vom Himmel. Auf Dächern und Scheiben klang es wie ein Steinhagel. Fast zeitgleich setzte extremer Regen ein und führte innerhalb von Minuten in einigen Straßen zum Chaos. Im Haidrath zwischen Aumühle und Wohltorf ging gar nichts mehr. Die Feuerwehr sperrte die Straße komplett, nur mit dem Einsatzfahrzeug war das Passieren noch möglich – alles stand unter Wasser. »Um 17.40 Uhr kam der Ruf zum ersten Einsatz«, erzählt Wohltorfs Wehrführer Peter Ahrens. In 22 Häusern liefen Keller voll, die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun und war bis 22.55 Uhr im Dauereinsatz. Unterstützt wurden die Wohltorfer Kameraden von den Wehren aus Aumühle und Wentorf.
Durch den vielen Hagel und die herab gerissenen Blätter verstopften die Siele im Handumdrehen, nichts ging mehr. Die Bahnunterführung in Wohltorf stand einen Meter unter Wasser und Hagel. Die Feuerwehr musste abpumpen, der Bauhof hat mit einem Bagger anschließend den Hagel weggeschaufelt.
Ein verstopftes Siel auf der Straße führte dazu, dass sich in den Garten von Herwig Kuhlmann in der Dorfstraße in Wohltorf eine kleine Hagellawine ergoss. Eine Stunde nach dem Unwetter stand Kuhlmann bis über die Knöchel in seinem Garten im Hagel. »Mit Regenwasser habe ich solche Überschwemmungen ja schon öfter erlebt, aber noch nie mit so viel Hagel«, meint der Wohltorfer. Er ist noch einmal glimpflich davongekommen, Haus und Keller sind trocken geblieben. Aber die zwölf Obstbäume im Garten haben reichlich Blüten und Blätter gelassen. Schlimm sah es auch auf den Feldern aus. Landwirt Günter Ahrens begutachtete sein Rapsfeld an der Alten Allee. »Die Hälfte der Blüten ist abgeschlagen, ich rechne mit 50 Prozent Ernteausfall«, meint der 58-jährige Wohltorfer. Er ist seit 40 Jahren Landwirt und hat einen solchen Hagel noch nie erlebt. In diesem Jahr wird er zum ersten Mal seine Hagelversicherung in Anspruch nehmen.
Für die Betreiber des neuen Hochseilgartens in Friedrichsruh war das Unwetter eine Gelegenheit, ihren Evakuierungsplan zu testen. »Innerhalb von zehn Minuten waren alle Kletterer wieder am Boden«, berichtet Albrecht Stroop. Gemeinsam mit seinem Kollegen Gunnar Bartels beobachtet er täglich online die Wetterprognosen. So war das Team am 29. April vorgewarnt und konnte rechtzeitig vor dem Unwetter reagieren.
Bereits einen Tag später strahlte die Sonne wieder vom Himmel, als sei nichts gewesen. Aber die Hagelhaufen, die auch am nächsten Tag noch im Schatten am Amelungsbach lagen, waren Zeugen des Unwetters.