17-12-08
Gestohlenes Silber
Es war 1928 in einer dunklen Winternacht von Sonnabend auf Sonntag, als Diebe in das Bismarck-Mausoleum einbrachen und ganz gezielt die silbernen Gedenk-Kränze zusammensuchten. Aus aller Welt waren die Kränze als Beileidsbekundungen zum Todes der Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck in Friedrichsruh eingetroffen. Besonders die deutschen Vereine im Ausland hatten Dauerkränze aus Eisen, Kupfer und auch Silber nach Friedrichsruh geschickt. Diese Kränze hingen in der unteren Gruft der Grabkapelle. Die Diebe konnten ungestört die Silberkränze heraussuchen und sie brutal zu Klumpen zusammenschlagen, um sie in Rucksäcken abtransportieren zu können. Im Morgengrauen machten sich die Diebe zu Fuß auf den Weg durch den Sachsenwald nach Büchen, um von dort aus mit dem Frühzug nach Berlin zu fahren. In der Hauptstadt wollten sie das Silber an Hehler verkaufen. Doch die Diebe hatten sich verrechnet. Um für den Gottesdienst am Sonntag die Heizung in Betrieb zu setzen, kam der Mausoleumswärter schon sehr früh am Sonntagmorgen in die Gruftkirche. Er entdeckte den Einbruch und informierte die Polizei. Als die Diebe nach ihrem Weg durch den Sachsenwald in Büchen auf dem Bahnhof ankamen, wurden sie bereits von der Polizei erwartet. Das Silber war zwar gerettet, doch die Kränze aber nicht mehr zu reparieren. Da entschlossen sich Fürst Herbert und Fürstin Marguerite, den 27 Pfund schweren Silber Klumpen der Kirchengemeinde Aumühle zur Verfügung zu stellen, damit daraus zwei Altar-Leuchter und Abendmahlsgeräte für die Bismarck-Gedächtniskirche hergestellt werden.
Dankbar schrieb Aumühles damaliger Pastor Karl Giesicke im April 1930 im kirchlichen Gemeindeblatt: »Eine tiefe Bewegung kommt jedes Mal über mich, wenn ich daran denke, was für heilige Gefäße und Leuchter auf dem Altar unserer Kirche stehen.« Bis zum großen Umbau der Kirche im Jahre 1968 wurden die Abendmahlsgeräte und die beiden Altarleuchter genutzt. Danach passten sie nicht mehr in die ganz modern gestaltete Kirche. Der Künstler Hermann Jünger gestaltete ein neues Abendmahlsgerät aus feuervergoldetem
gehämmerten Silber. Im Mittelteil wird eine asymmetrische Figur von Edelsteinen umrahmt.