13-12-11
Ist Schwarzenbek bereit für polnische Partnerstadt?
Schwarzenbek (no) – Seit 2004 ist Polen Mitglied der Europäischen Union und hat aktuell erstmals den EU-Ratsvorsitz inne. Auf Einladung der Europa-Union war jüngst der Generalkonsul der Republik Polen, Andrzej Osiak, zu Gast in der Europastadt Schwarzenbek und sprach über die besondere Nachbarschaft der Deutschen und Polen. Diese sei »ein Musterbeispiel für Zusammenleben im neuen Europa der Völkerfreundschaft«, so der Generalkonsul in perfektem Deutsch. Das EU-Grundsatzprogramm stehe nicht nur für wirtschaftliche oder finanzielle Belange, sondern sichere den Frieden in Europa.
Ohne die Europäische Union hätte »ein erneuter Krieg bei der Wiedervereinigung gedroht«, so Osiak weiter, und darum gelte es auch in den aktuell schwierigen Zeiten, »den Mut an Europa nicht zu verlieren. Die Idee, Europa miteinander zu erleben, ist so wichtig wie eh und je.«
Er verwies auf den Beginn der früheren deutsch-polnischen Entfremdung bereits 1830 mit dem Hambacher Fest. Erst zu Beginn der 1990er-Jahre sei Deutschland zum Fürsprecher der polnischen Integration in Europa geworden.
Heute hat die Solidarität und Gleichheit aller EU-Mitglieder in Polen einen hohen Stellenwert und die eigenen Interessen werden im Einklang mit den Belangen der anderen Mitgliedstaaten gebracht. 70 Prozent der Polen sind für Europa. 30 Prozent der polnischen Exporte gehen nach Deutschland, andererseits sieht sich Polen als Förderer der östlichen Integration. Ukraine, Moldawien und Weißrussland befinden sich auf dem Weg in die EU und werden dabei von Polen maßgeblich unterstützt aufgrund der kulturellen und landsmannschaftlichen Verbundenheit.
»Polen und Deutschland verbindet mehr als uns trennt«, betonte Generalkonsul Andrzej Osiak. Beim polnischen EU-Beitritt 2004 gab es eine Teilung der EU in Ost und West, in der aktuellen Schuldenkrise sei daraus eine Teilung in Nord und Süd geworden. Polen hat wie Deutschland eine Schuldensperre in die Verfassung aufgenommen und ist aus seiner wirtschaftlichen Stärke heraus bereit, beim EU-Ratsvorsitz Verantwortung zu übernehmen. Die Frage der nächste Monate ist für Andrzej Osiak: »Welchen Platz will die EU in der Welt einnehmen?« Das können Deutschland, Polen oder Frankreich nicht exklusiv klären, sondern nur solidarisch und gleichberechtigt mit allen EU-Staaten.
Die Zuhörer nutzten die Gelegenheit, Historisches und aktuelle Fragen mit dem polnischen Generalkonsul zu diskutieren.
Für die Zukunft sieht Osiak Polen als Euroland und wünscht sich den Aufbau eines deutsch-polnischen Jugendwerks zur Vertiefung der bilateralen Beziehungen. Dem könnte auch eine Partnerschaft der Europastadt Schwarzenbek mit einer polnischen Stadt dienen. Erst vor wenigen Wochen hat er in Trittau eine neue Städtepartnerschaft besiegelt und würde dafür auch gerne noch einmal nach Schwarzenbek kommen.