08-02-10
Helga Walsemann erhält den Gertrud-Wendt-Preis
Mölln (br) – »Die Niederdeutsche Sprache muss unter das Volk gebracht werden, solange es sie noch gibt.« Diesem Motto ist Helga Walsemann seit mehr als 40 Jahren treu. Begonnen hat ihre Affinität für Plattdeutsch während ihrer Dienstzeit als Lehrerin der Grund- und Hauptschule Hollenbek. Dort machte sie die Schüler und Schülerinnen im Heimat- und Sachkundeunterricht mit den Geschichten aus Gustav Friedrich Meyers »Plattdüütschen Volksbökern« bekannt, die sie dann 1984 in einer überarbeiteten Fassung unter dem Titel »1. Lauenburger Dönken« selbst publizierte. Weitergeführt hat sie ihr Engagement dann an der Sterleyer Schule, an der sie bis zu ihrer Pension Konrektorin war. Dort entstanden auf ihr Betreiben Lehrpläne für die Niederdeutsche Sprache, die auch heute noch Gültigkeit haben. Dazu wurden eigens Hefte gedruckt, die plattdeutsches Unterrichtsmaterial bereitstellten.
Im Ruhestand begann Helga Walsemann damit, der Niederdeutschen Sprache über die Schulen hinaus Bedeutung zu verleihen. 2002 wurde sie Beauftragte für Niederdeutsch im Kreis Herzogtum Lauenburg und erreichte, dass jedes Amt und jede Stadt auch ein entsprechendes Ehrenamt einrichteten. Viermal im Jahr trifft sich dieses Forum, um neue Ideen für Plattdeutsch-Aktivitäten zu entwickeln. Lesewettbewerbe an Kindergärten und Schulen gehören ebenso dazu wie eine wöchentliche Kolumne in der Landeszeitung.
Damit hört ihr Engagement aber noch nicht auf. Seit 15 Jahren nimmt sie am plattdeutschen Pastoralkolleg der Nordelbischen Kirche teil und gestaltet den Arbeitskreis »Plattdüütsch in de Kark« mit. Über diese Arbeit wurde Professor Bernd Jörg Diebner von der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg auf sie aufmerksam. Aus Norddeutschland stammend, ist auch er ein Verfechter der Niederdeutschen Sprache und hat mit Hilfe engagierter Bürger und Bürgerinnen einen Preis ins Leben gerufen: Den Gertrud-Wendt-Preis.
Diese Auszeichnung geht an Menschen, die sich in besonderer Weise um die Vermittlung des Plattdeutschen bemühen. Helga Walsemann ist die zweite, die damit ausgezeichnet wurde. Im Rahmen einer Feierstunde im Haus Mecklenburg mit Repräsentanten aus Politik und Kultur, überreichte Kreispräsident Meinhard Füllner ihr die als »Pries för plattdüütsch Basis-Arbeid« betitelte Auszeichnung. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis würdigt ihren jahrzehntelangen Einsatz und setzt ein deutliches Zeichen, dass das Bemühen um die Niederdeutsche Sprache stetig weiter getragen werden muss, denn, so bestätigt auch Helga Walsemann, »die Sprache sagt so viel aus und ist so gefühlvoll, dass sie nicht untergehen darf.«